Ewa Partum - conceptual exercises: Feministischer Konzeptualismus
Conceptual Exercises bietet einen umfassenden Überblick über das konzeptuelle Schaffen der polnischen Künstlerin Ewa Partum (*1945). Die Ausstellung im Francisco Carolinum, kuratiert von Nathalie Hoyos und Rainald Schumacher, reicht von frühen Arbeiten wie Presence/Absence (1965) bis zu Private Performance (1985). Präsentiert werden Fotoserien, Filme, Collagen und Archivalien – ein Werk, in dem der eigene weibliche Körper als argumentatives Mittel eingesetzt wird.
In der Serie Self-Identification (1980) integriert Partum ihren nackten Körper in Szenen des städtischen Alltags. Die ersten beiden Fotografien zeigen sie neben einer Hochzeitsgesellschaft, während die fünf weiteren Bilder als Collagen gestaltet sind. Durch diese Eingriffe wird die Grenze zwischen privater Körperlichkeit und dem regulierten öffentlichen Raum bewusst infrage gestellt. Zensiert wurde lediglich eine Aufnahme, die Partum vor dem Regierungsgebäude in Warsaw zeigt.
Zu den konzeptuell präzisesten Arbeiten zählt Stupid Woman (1981). In High Heels, rotem Lippenstift und mit einer am unbekleideten Körper befestigten Lichterkette, Alkohol trinkend, stellt Partum Fragen wie „Do you like me? Do you love me?“ und fordert die schriftliche Bestätigung des Publikums ein – ein Verfahren, das sich als kybernetische Rückkopplungsstruktur lesen ließe –, bevor sie die Lichter ausknipst und erschöpft den Raum verlässt: Rollenübernahme und Rollenverwerfung als Ideologiekritik.
Ein überraschendes Element der Ausstellung ist die Neu-Inszenierung von The Legality of Space (1971) vor dem Museum. Partum hatte diese Arbeit auf dem Freiheitsplatz in Łódź realisiert: Verkehrsschilder und selbstgefertigte Texttafeln mit paradoxen Geboten und Verboten als Intervention gegen die wachsende Kontrolle des öffentlichen Raums. Die Neu-Inszenierung holt das Werk aus dem Archiv hervor und stellt damit seine interventionistische Logik wieder her.
Conceptual Exercises verzichtet weitgehend auf aktuelle Forschungsdiskussionen und präsentiert sich damit vor allem als sorgfältig inszenierte Überblicksschau. Vor dem Hintergrund intensiver (queer-)feministischer Debatten um Partums Werk – das in Sammlungen wie dem MoMA und der Tate Modern vertreten ist – wirkt die kuratorische Linie auffällig zurückhaltend.
Parallel laufen bis 28. Juni Annegret Soltau: Unzensiert, in der sich die Künstlerin vor allem mit Schwangerschaft und Mutterschaft auseinandersetzt und damit in produktiver Spannung zu Partums Praxis steht, sowie bis 12. Juli Universal Thoughts: Kleinstes gemeinsames Vielfaches von Georg Petermichl. Ebenfalls zu sehen ist Some Secrets on Photography, eine Ausstellung, die das Medium Fotografie und seine vermeintlichen Grenzen anlässlich seines 200. Geburtstags befragt.
Mehr Texte von Laura Schreiner 27.02. - 28.06.2026
FC - Francisco Carolinum
4010 Linz, Museumstraße 14
Tel: +43 732 7720 522 00
Email: info@ooelkg.at
https://www.ooekultur.at
Öffnungszeiten: Di-So, Fei 10-18 h
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