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Developments

von Erik Tannhäuser


September 2026 · Paris La Villette


Der Ausgangspunkt von Developments ist unscheinbar und poetisch zugleich: Im Herbst auf Stahltafeln liegende Blätter hinterlassen über den Winter ihre Spuren. Aus dieser Beobachtung entwickelte Tannhäuser ein experimentelles Verfahren, bei dem Blüten, Blätter und später Fische aus Beifang auf Metall ausgelegt und der Witterung ausgesetzt werden. Korrosion wird zum Zeichner, Zeit zur Mitautorin.

Nach einer Reise nach Dänemark entstanden mit Beifang aus Hanstholm acht großformatige Tafeln (3 × 1,5 m), die eine Unterwasserwelt sichtbar machen. Die achte Tafel blieb bewusst leer – als stiller Ausblick auf den Schwund durch menschliche Eingriffe. Die Erstpräsentation formte eine kreisförmige Rotunde mit engem Durchgang ins Innere. Dazu komponierte der Musiker und Produzent Nhoah ein Klangstück mit Tannhäusers 11-Pfeifen-Orgel, einem Theatergeräuschemacher und einer Englischhorn-Spielerin; ein Vier-Track-Album entstand.

2017 folgte eine Ausstellung auf dem Kulturschiff MS Stubnitz, ehemals Kühlschiff der DDR-Hochseeflotte. Für Tannhäuser war der Ort doppeldeutig: innen die Metallerzählung von Fang und Massenlagerung, außen das Meer als Ursprung. In Rostock, Amsterdam und Hamburg wurden die Werke in den Häfen gezeigt.

Nach dem Umzug nach Wien verlagerte sich der Fokus: Ein überfahrener Fuchs am Straßenrand wurde – gemeinsam mit Pflanzen aus seinem Habitat – auf Metall gelegt. Durch Wässern zeichnete sich der Umriss des Tieres ab. Das Projekt weitete sich aus: vom Wasser zu den Straßen, vom Beifang zum Verkehrsopfer.

Bei der Präsentation auf der Parallel Kunstmesse Wien 2025 zog ein Journalist des Ö1-Kulturjournals den Vergleich zur Höhlenmalerei – eine Parallele, die Tannhäuser teilt: Wie in den Höhlen von Lascaux Tiere sichtbar werden, zeigt Developments unseren heutigen Umgang mit ihnen – einst Nähe, heute Entfremdung.

2024 war die Serie im Schlosspark Schönbrunn Wien unter der Schirmherrschaft der österreichischen UNESCO-Kommission zu sehen; angefahrene Tiere traten in Kontrast zur Zootierhaltung. Arbeiten mit dem Abbild eines Fuchses, eines Reihers und von Fischen wurden zudem im Naturschutzgebiet am Vorderen Gosausee zur Kulturhauptstadt Europas Salzkammergut gezeigt.

September 2026 folgt Paris: La Villette – einst Standort der großen Schlachthöfe mit Millionen getöteter Tiere pro Jahr, heute ein Kulturpark. Für Tannhäuser ist La Villette ein Raum für Erinnerung und Wandel. Developments verbindet Material, Zeit und Ort zu einer eindringlichen Erzählung über Verlust, Verantwortung und die Möglichkeit von Veränderung.

 

 



Erik Tannhäuser

La Villette, 211 Av. Jean Jaures, folje j5, 75019 Paris

Advertorial

Mehr Texte von Gino Brackerini

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