Art at the Park: Klein, aber fein
Nach den Turbulenzen um die Absage der beiden großen Kunstmessen viennacontemporary und Spark startet Wien mit der Art at the Park in die Kunstmessen-Saison 2026. Die Boutiquemesse im Park Hyatt ist mit 15 teilnehmenden Galerien und Kunsthandlungen die kleinste der kleinen Messen in der Bundeshauptstadt, was dem Zuspruch der Kunstinteressierten aber keinen Abbruch tut. Ein vor allem älteres aber sichtbar zahlungskräftiges Publikum fand sich pünktlich zur Eröffnung der Preview im Luxushotel ein, um das Angebot zu begutachten, das vom frühen 20. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Kunst reicht.
Wolfgang Bauer, der mit seinen Jugendstil-Möbeln regelmäßig auf der „Königin der Kunstmessen“, der TEFAF in Maastricht ausstellt, hat sich mit seiner Galerie bel etage nach vielen Jahren der Abwesenheit wieder für eine Messeteilnahme in Wien entschieden. Zentrum der Präsentation bilden Werke aus dem Nachlass der Künstlerin und Designerin Kemija Gruen. Blickfang ist dabei eine Tappisserie aus dem Jahr 1983, umgesetzt von der Manufaktur Felix Haspel (230 x 132 cm, € 45.000). Die Autodidaktin die im Jahr 1945 als Neunjährige aus Bosnien als Dienstmagd auf einen Kärntner Bauernhof kam, heiratete schließlich den österreichischen Architekten und Stadtplaner Viktor Gruen (Viktor David Grünbaum), mit dem sie 1938 in die USA emigrierte. Gruen gilt als der Erfinder der US-amerikanischen Shopping Mall und setzte in Wien mit dem Spruch „Autos kaufen nichts“ die erste Fußgängerzone in der Kärntner Straße um. Aus seinem klassischen Programm zeigt Bauer ein silbernes Tee- und Kaffeeservice von Dagobert Peche und einen kleinen, aber reich verzierten Spiegel des Mitglieds der Wiener Werkstätte, der auch in der großen Peche-Retrospektive im MAK-Museum für angewandte Kunst zu sehen war (⤇ das artmagazine berichtete https://www.artmagazine.cc/content131678.html ).
Die zum Hotel umgewandelten ehemaligen Repräsentationsräume einer Bank erlauben nicht viel Spielraum für den Messebau und so macht die Galerie Maier aus Innsbruck aus der Raumnot eine Tugend und präsentiert eine Auswahl an Kleinskulpturen u.a. von Josef Kostner, Rudi Wach und Simone Turra mit Preisen zwischen 900 und 6.000 Euro. Die Galerie Reinisch aus Graz zeigt u.a. Skulpturen von Julian Khol, die an die Pioniere der österreichischen Skulptur wie z.B. Herbert Albrecht, Josef Pillhofer, Fritz Wotruba und vor allem Andreas Urteil erinnern. Allerdings setzt Khol nicht auf Bronze oder Stein, sondern verwendet leichte High-Tech Materialien wie Kevlar und Glasfaser. (12.000 bis 33.000 €).
Die Galerie Hieke zeigt ein farbstarkes Aquarell von Helene Funke aus einer deutschen Privatsammlung (€ 28.000,-) und einen „Blick auf den Donaukanal mit der Augartenbrücke“ von Carl Moll, (Preis auf Anfrage). Eine etwas größere Version dieses Motivs befindet sich in der Albertina.
Vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen will die L.art Galerie, die neben zeitgenössischer Malerei u.a. von Robert Schaberl, Stylianos Schicho und Yun Wang digitale Kunst von Flynn by Malpractice zeigt. Flynn ist die erste KI, die zu einem Kunststudium an der Universität für angewandte Kunst zugelassen wurde. Entwickelt wurde Flynn vom Künstlerkollektiv Malpractice (Chiara Kristler, Marcin Ratajczyk). Editionen in einer Auflage von 93 gibt es um 300 Tezos (aktuell rund 95 Euro), die auf ein Stück limitierte Animation „We Are The Machine Learning to Dream“ ist auf der Plattform objkt.com um 3.200 Tezos (rund 1.00 Euro) gelistet.
Die Art at the Park will keine Alternative sein für eine der großen zeitgenössischen Kunstmessen, die Wien ganz sicherlich braucht, aber sie deckt ein beim Publikum vorhandenes Bedürfnis ab nach einem übersichtlichen, breiten, und qualitativ hochwertigen Angebot, das die meisten der teilnehmenden Galerien und Kunsthandlungen auch erfüllen.
Mehr Texte von Werner Remm 19 - 22.02.2026
Park Hyatt Vienna
1010 Wien, Am Hof 2
Email: office@art-port.cc
https://www.parkvienna.com
Öffnungszeiten: 11-19 h
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