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Arco: Marktplatz mit Diskurs

Wer will sich schon in Miami schikanieren lassen, wenn man in Madrid hofiert wird? Die Arco könnte eine der wenigen Kunstmessen sein, die von der Weltlage profitiert. Ihre traditionell starke Verbindung zu Lateinamerika könnte so manchem Sammler oder Sammlerin von dort eine Reise ins ehemalige Mutterland attraktiver erscheinen als in die immer unberechenbarer werdenden USA. In den ersten Tagen wurde das Bild jedoch von Besucher:innen aus Europa geprägt, die den großen Überblick über die zeitgenössische Kunstproduktion schätzen. Mit 211 Galerien zählt die Arco zu den größten Kunstmessen in ihrem Segment.

Krinzinger aus Wien hat sich zwar auf den lateinamerikanischen Fokus eingerichtet, ist mit der Einzelpräsentation von Selva De Carvalho (7.000 bis 23.000 Euro) aber womöglich anders erfolgreich als gedacht. Alle drei bis Donnerstag verkauften Arbeiten bleiben in Europa. Markus Peichl von der Galerie Crone aus Berlin und Wien ist zum 34. Mal in Madrid. So etwas wie dieses Jahr habe er noch nicht erlebt, freut er sich über den Zuspruch. Der Grund dürfte allerdings eher ein spezifischer sein als ein Boom der Branche oder Madrids. Nach der Beilegung von Nachlassquerelen ist der Nachlass von Channa Horwitz verfügbar. Eine kleine Vorschau auf die kommende Ausstellung der Galerie trifft in Madrid auf ein Publikum, das für minimalistische konzeptuelle Positionen bekannt offen ist. Zu Preisen zwischen 15.000 und 60.000 Euro fanden daher mehrere Arbeiten aus 1960er bis -80er Jahren freudige Aufnahme bei Privaten und Institutionen. Dass auch Werke aus dem weiteren Programm von Hanne Darboven über Carola Dertnig bis Anthony Goicolea Abnehmer fanden, lag vielleicht auch an der neuen Positionierung an prominenter Stelle. Am letzten Tag der Messe resümiert Inés Lombardi von der Wiener Galerie Lombardi-Kargl: „Phantastisches Feedback, gute Kontakte aber langsamere Abschlüsse von Verkäufen, insgesamt eine gute Messe.“

"Die Messe hat ihre Hausaufgaben gemacht", bescheinigt Chiara Tiberio von der Galerie P420 aus Bologna. Die Arco bringe Kurator:innen und Sammler:innen aus Europa und Lateinamerika nach Madrid und behandle die Aussteller:innen gut. Ein bisschen schleppend seien die Verkäufe hier schon, erklärt Alessandro Pasotti. Die funkensprühende Energie der ersten zwei Stunden wie in Basel oder London hätte er nie verspürt. Am Ende sei es sich aber immer ausgegangen.

Auf ihren Lorbeeren ausruhen kann sich die Messe allerdings nicht. Denn gerade die größeren Regionalmessen wie Art Cologne, Artissima, Art Brussels oder eben Arco sehen sich der immer übermächtiger werdend scheinenden Konkurrenz der Messekonzerne Art Basel und Frieze gegenüber. Die Arco versucht, durch ständige Anpassung ihrer kuratierten Sektionen zukunftsfähige Formate zu entwickeln. In diesem Jahr neu ist "ARCO2045: The Future, for now", eine Gruppenshow jeweils in der Mitte der beiden äußeren Gänge der beiden Messehallen. Den eher losen Rahmen bietet ein Langzeitfilmprojekt von DaviD Lynch. Mit intellektuell anspruchsvollen oder weniger geläufigen Positionen, auch von Art Basel-Galerien wie Paulina Olowska (Pace/New York etc.), Barbara Bloom (Capitain Petzel/Berlin) oder Rodolfo Abularach (Marc Selwyn Fine Art/Los Angeles und David Nolan/New York) setzt die Messe klar auf Inhalte statt auf glitzernde Trophäen.

Etwas geschraubt erläutert Messedirektorin Maribel López ihre Strategie: „Ich strebe eine zukünftige Entwicklung der Messe an, die weiterhin organisch durch ihre Galerien, Künstler, Besucher und Bildungsbereiche geprägt ist, um einen Raum für Austausch, Begegnung und Reflexion zu schaffen – neben den kommerziellen Aspekten. Auch bei den kommenden beiden Messen möchten wir durch spezielle Themen, kuratierte Bereiche und ein Vortragsprogramm weiter erforschen, wie die Zukunft der Messe aussehen könnte.“ Mag die Zukunft der Blue Chips auch im Petrodollar liegen, der Diskurs findet eher an Orten wie Madrid statt.

Mehr Texte von Stefan Kobel

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Arco
04 - 08.03.2026

IFEMA - Feria de Madrid
28042 Madrid, Feria de Madrid
http://www.ifema.es


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